Gesellschaft und Innovation/Sonstige Weisheiten

Wollen wir die Welt verbessern?

Vor über zwanzig Jahren hatte ich einen Streit mit Kollegen. Gefragt, was der Antrieb für mein Tun sei, habe ich aus tiefer Überzeugung geantwortet, ich würde umsetzen, was Lord Robert Baden-Powell uns als Pfadfindern für immer ins Stammbuch geschrieben hat: „Verlasst die Welt ein bisschen besser, als ihr sie vorgefunden habt.“ Meine Kollegen erklärten mich damals für verrückt. Ich sei doch übergeschnappt, wenn ich mir so ein hehres Ziel vornehmen wolle. Das hat mich schockiert und ich habe den Satz erst einmal ganz tief in meinem Unterbewusstsein vergraben.

Dann kamen die Zeiten, in denen die sogenannten Gutmenschen diffamiert wurden, die immer alles richtig machen wollten, zu jeder Sachlage eine positive Haltung hätten und jedem helfen wollten. Auch in dieser Zeit habe ich den Satz von Robert Baden-Powell nicht aus dem Gedächtnis gekramt, scheinbar wollte ja außer mit sonst niemand mehr die Welt verbessern.

Wenn ich früher den Werkzeugkeller meiner Eltern benutzt habe, bekam ich gesagt, ich solle den Raum bitte so verlassen, wie ich ihn vorgefunden hätte. Also aufgeräumt. Und wenn man in ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung fährt, steht ganz sicher in den Vertragsbedingungen, das Objekt möge hinterher aussehen wie vorher. Halt so, dass auch neue Gäste gerne kommen können. Das unterschreiben wir blind. Aber warum verfahren wir mit der Welt nicht geradeso?

Wie im Ferienhaus so ist auch unsere Zeit auf diesem Planeten (leider) begrenzt. Vor uns waren Menschen und nach uns kommen Menschen. Wir aber tun so, als wären wir die Einzigen und könnten mit dieser Erde machen, was wir wollen. Wir ziehen uns zurück in einen Kokon. Das gilt für den Verbrauch von Ressourcen wie für das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen. Gesellschaften entwickeln sich und unser Ziel müsste es sein, dass sie sich nicht zurück entwickeln, sondern mit dem Blick nach vorne. Das sollte die Botschaft für 2017 werden. Klar, das Paradies ist verloren, das werden wir aus eigenen Händen nicht aufbauen können. Aber wir können wenigstens versuchen, einer Idee vom paradiesischen Zusammenleben mit der Umwelt und unseren Mitmenschen so nah wie möglich zu kommen. Dafür brauchen wir den unbedingten Willen, die Welt zu verbessern. Jetzt, da die Verzagtheit um sich greift, erst recht.

Es gibt genug Vorbilder, die das in der Geschichte immer wieder versucht haben. Menschen, die Ideen entwickelt und Wege aufgezeigt haben. Menschen wie Thomas Morus oder Henry David Thoreau waren keine weltabgewandten Spinner. Sie hatten Utopien und wir brauchen heute Utopien dringender denn je. Wir haben ernsthaft geglaubt, Helmut Schmidt habe kategorisch behauptet, wer eine Vision habe, solle zum Arzt gehen. Er selber sagte dazu, dies sei eine pampige Antwort auf eine dusselige Frage gewesen. So ist es wohl. Denn ganz im Gegenteil muss heute gelten: Wer keine Visionen hat, muss sich Sorgen machen. Wenn wir keinen Wegweiser haben, wissen wir auch nicht, wohin wir gehen sollen.

Ich habe die Vision, dass wir uns nicht bequem zurück, sondern gemeinsam ins Zeug legen. Für Gerechtigkeit. Für Bewahrung der Schöpfung. Für Frieden. Nicht schweigen. Unsere Aufgabe ist, die Welt etwas besser zu machen, als wir sie vorgefunden haben. Ja, wir wollen Weltverbesserer sein. Nicht verbissen, sondern mit Lust und Laune. Weil die Sonne ein Morgenstern ist.

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Ein Kommentar zu “Wollen wir die Welt verbessern?

  1. Lieber Martin,

    dir und deinen Lieben wünsche ich ein glückliches und erfüllendes neues Jahr.

    Ich unterschreibe alles was du sagst.
    „Machen is´ Könich!“, wie man in meiner Heimat zu sagen pflegt.

    Auf ein besseres 2017.
    Durch uns.

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