Bildungspolitik/Erwachsenenbildung/Volkshochschule

Was kommt nach Cancun? Die Volkshochschulen und die Umweltbildung

Das Forum 5 auf dem 13. Deutschen Volkshochschultag im Mai 2011 konnte leicht Gefahr laufen, sich gegenseitig der ökologischen Verantwortung zu vergewissern und mit einem sicheren Gefühl, auf der besseren Seite der Gesellschaft zu stehen, in den Alltag zurückzukehren. Dass katastrophale Folgen drohen, wenn sich die Menschheit nicht bemüht, in Fragen des Umweltschutzes umzusteuern, ist Allgemeingut. Eigentlich. In Bildungskreisen allzumal.

Ernst-Ulrich von Weizsäcker, der Nestor der deutschen Nachhaltigkeitsforschung, Ralf Fücks, einst erster grüner Umweltsenator von Bremen, jetzt Vorsitzender der Heinrich-Böll Stiftung sowie Angelika Zahrnt, langjährige Vorsitzende des BUND stellten anschaulich dar, dass nachhaltiges Wirtschaften möglich ist. Dazu braucht es die Einpreisung ökologischer Folgekosten in Produktion und Energiegewinnung und – ein Wort, das in unserer Gesellschaft keiner hören möchte – Verzicht.  Diese Entwicklungen bedürfen der Freiwilligkeit; auf fiskalische Steuerungen wird man dabei nicht ganz verzichten können.

Wie zu geschehen habe, ist umstritten, besonders die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen.

Die Aufgaben der Volkshochschulen sind in diesem Prozess vielfältig. Ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind nämlich genau die Individuen, auf die es im Zuge der ökologischen  Erneuerung ankommt.

Zunächst einmal bietet die Volkshochschule unzählige Möglichkeiten, den nötigen Bewusstseinsprozess mit zu gestalten. Dazu gehört, traditionell, die Umweltbildung. Sie muss aus ihrem Nischendasein heraus und eine größere Vielfalt von Milieus ansprechen. Ähnliches gilt für die ökonomische Bildung, die von ökologischer Bildung nicht mehr zu trennen ist. Wer wirtschaftliche Prozesse versteht, ist in der Lage, sie zu reflektieren und nachhaltige Alternativen zu entwickeln. Nicht zuletzt stehen die Volkshochschulen trotz knapper Kassen in der Verantwortung, mit gutem Beispiel voran zu gehen und auf eine ökologische Ausgestaltung ihrer Angebote und Arbeitsabläufe zu achten.

Eine Gesellschaft, die nachhaltig leben will, muss den Perspektivwechsel von quantitativer zu qualitativem Wachstum vollziehen.  Kriterien qualitativen Wachstums sind Bildungsgrad, Erkenntniszuwachs und  Zufriedenheit.  

Damit nach Cancun überhaupt etwas kommt, braucht es deswegen ein umfassendes Bildungsangebot. Will die Volkshochschule nicht bloß das Gefühl stützen, auf der besseren Seite zu stehen, muss sie ihre Verantwortung für Nachhaltigkeit als zentrale deutsche Erwachsenenbildungsorganisation in Programm und Ausführung ernst nehmen.

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