Bildungspolitik/Erwachsenenbildung/Volkshochschule

Freitag, der dreizehnte …

Man muss schon sehr viel Selbstbewusstsein besitzen, um an einem Freitag den 13. ausgerechnet den 13. Volkshochschultag zu veranstalten. Alle fünf Jahre gibt es das Großereignis der Volkshochschulen. Über 1500 Menschen kamen in den Berliner Congress-Center am Alexanderplatz. Es gab inhaltliche Angebote – Foren genannt -, Informationen über neue Lehr- und Lernmethoden und über Technik und Materialien, sowie jede Menge Möglichkeiten zur Begegnung und zum Austausch.

Vor allem gab es viel Balsam für die erwachsenenbildnerische Seele. Der Bundespräsident sprach zur Eröffnung und betonte, ein wenig pathetisch, die Volkshochschulen seien doch ein Segen für die Gesellschaft. Und mehr Geld für ihre so wichtige Arbeit hätten sie auch verdient. Bundesforschungsministerin Schavan betonte die Bedeutung der Erwachsenenbildung, besonders der Grundbildung, Alphabetisierung- und Integrationskurse und ja, mehr Geld sei sicher notwendig für die Arbeit. Klaus Meisel, Managing Director der Münchner Volkshochschule, warb für mehr Selbstbewusstsein. Die Volkshochschulen leisteten einen eminent wichtigen Beitrag für die Bildungslandchaften in den Kommunen. Sicher bräuchte es dafür auch mehr Geld.

Gleichzeitig demonstrierten vor dem Tagungsgelände Vertreter der GEW und wiesen auf die oft prekären Arbeitsverhältnisse so mancher Volkshochschuldozenten hin. Die Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes, Rita Süssmuth, bestätigt das Problem und mahnte Lösungen an. Es ist ja auch nicht so, als ob die Verantwortlichen in den Volkshochschulen nicht wüssten, wie schwierig die Finanzlage aussieht.

Andererseits sind Angebote und Qualität hochprofessionell. Das hat der Volkshochschultag beeindruckend gezeigt. Vorgestellt wurde ein neues Leitbild für die Volkshochschulen, dass ein über dreißig Jahre altes Papier ablöst. In der Tat kann sich das Grundlagenpapier mit dem Titel „Die Volkshochschule – Bildung in öffentlicher Verantwortung“ sehen lassen Die Angebotspalette, die die Aussteller aus der gesamten Republik im Congress-Center präsentierten, war ebenso ansehnlich. Sie reichte von internetbasierten Webinaren, über Aktionen des bürgerlichen Engagements und der ehrenamtlichen Arbeit bis zu internationalen Kontakten. Am Vorabend des Volkshochschultages trafen sich Marketingfachleute, um über die Optimierung des Auftritts der VHSn im Web 2.0 zu beraten.

Alles in allem jede Menge Innovationen, gute Ideen und gute Entwicklungen. Wenn der Volkshochschultag sich unter das Motto „Weiterbildung für alle“ gestellt hatte, so konnte er dies selbstbewusst tun. Und er kann es deswegen auch weiterhin selbstbewusst tun, weil das Angebot im ganzen Land so breit, so engagiert und auf so hohem Niveau gestaltet wird. Die

Frage nach der Zukunft und der Finanzierung einer wesentlichen Säule des deutschen Bildungssystems im Kontext des lebenslangen Lernens bleibt. Gute Worte, wie sie von ranghohen Politikerinnen und Politikern auf dem Treffen geäußert wurden, sind schön, aber sie bleiben Phrasen, wenn sie keine Konsequenzen nach sich ziehen. Eine Hauptlast der Kosten in den Volkshochschulen tragen nämlich die Kommunen, und die stehen, wie allgemein bekannt, schlechter da als sonst. Wer also will, dass es auch in Zukunft ein flächendeckendes, qualitativ hochwertiges und dabei gut erreichbares Angebot der allgemeinen Weiterbildung gibt, muss sich ernsthaft Gedanken über die Finanzierung der kommunalen Aufgaben machen. Dann kann auch in fünf oder zehn Jahren noch ein selbstbewusster Volkshochschultag stattfinden, an einem 13. Freitag oder einem anderen Tag – mit ruhigem Gewissen.

Das neue Standortpapier kann unter http://www.dvv-vhs.de/fileadmin/user_data/PDF/Standortbestimmung.pdf abgerufen werden.

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