Bildungspolitik/Erwachsenenbildung

Bildung 2011

Deutschland Bildungsland? Eine Umfrage und ihre Konsequenzen

Deutschland wollte es wissen – so die Initiatoren. Welche Noten geben wir der Bildung, oder besser: der Bildungsinfrastruktur im Land. Die Zeitung, die einen Teil der BILDung schon im Namen führt, prangerte bereits heute früh an, dass selbst die Lehrer die Schule schlecht reden. Was ja irgendwie seltsam klingt, wo doch die Lehrer ein wesentlicher Teil der Schule sind? Aber der Boulevard braucht Themen und was wäre einfacher, als per Schlagzeile die Lehrer gegen die Bildung auszuspielen. Doch das nur am Rande.

Was medial groß angekündigt wurde, präsentiert sich nun in zusammenfassenden 10 Thesen. Wer sich näher mit Bildung beschäftigt, den werden die Ergebnisse nicht überraschen. Aber sie bieten eine gute Gelegenheit, die Notwendigkeit von Bildungsreformen für eine breite Öffentlichkeit darzustellen.

Was sagen die Ergebnisse im Einzelnen? Was nicht verwundert, ist der hohe Stellenwert, den die Befragten – rund 130.00 haben mitgemacht – der Bildung zumessen. Eine große Mehrheit sieht den Bildungsförderalismus mit Skepsis. Einheitlichkeit zwischen den Bundesländern ist da die Devise.

Schon länger bekannt aber gut, es erneut zu lesen: Es gibt einen Zusammenhang von Bildung und sozialem Aufstieg. Das bestätigen die Befragten. Und, das Ergebnis überrascht dann doch, die meisten wären bereit, für eine bessere Bildung tiefer in die Tasche zu greifen. Das sollte allerdings mit Prioritätensetzung verbunden werden. Wie wahr! Politikern wird allerdings kaum zugetraut, das Bildungssystem zu reformieren.

Nicht zuletzt wünscht man sich längeres gemeinsames Lernen.

Auch Wasser gießt die Umfrage in den Wein einer schönen neuen Bildungswelt. Inklusion, ein viel beschworenes Wort der vergangenen Bildungsjahre, ist nicht so weit, wie sie sein sollte. Das gemeinsame Lernen mit Kindern, die eine geistige Behinderung haben, wird abgelehnt.

Was lernen wir daraus? Die Forderung nach mehr Gerechtigkeit im Bildungswesen ist nicht neu. Da kann man nur sagen: Butter bei die Fische. Gefragt sind intelligente Lösung, um Bildung besser finanziell auszustatten, um gleiche Bildungschancen für alle zu erreichen. Gefragt ist aber auch die Abkehr von Dünkel, Distinktion, Berührungsängsten und so manchem falschem Ehrgeiz.

Zu denken gibt da die Ablehnung der Inklusion. Das mag mit Unsicherheit zusammenhängen. Oder aber damit, dass Bildung doch von den meisten zunächst utilitaristisch gedacht und allein zweckorientiert verstanden wird? Wo bleibt da der Sensus für kulturelle Bildung, für informelle Bildung, für zweckfreie Bildung einfach so, weil Lernen Spaß macht?

Der Bewusstseinsprozess muss in der gesamten Gesellschaft erfolgen.

Schulentwicklung und Verbesserung der Bildungsqualität geht nur mit allen Beteiligten. Für die Politik ist das eine Aufforderung und eine Verpflichtung, für die Lehrer eine Aufgabe und für die Eltern eine Ermutigung.

Das Ergebnis zeigt aber leider auch eine sehr schiefe Ebene. Die Notwendigkeit lebenslangen Lernens wird heute kaum noch bestritten. Dazu gehören die Gestaltung der Übergänge zwischen verschiedenen Bildungsinstitutionen und die Sicherung der Berufsfähigkeit. Die Zeitspanne zwischen Berufsausbildung und Rente wird immer größer, die Entwicklung im schneller. Weiterbildung tut da not, findet aber in der Umfrage kaum statt. Aber vielleicht sorgt die Referenz der Schulentwicklung dafür, von hier aus das Gesamt der Lernbiographie in den Blick zu nehmen. Unserem Land wäre es zu wünschen.

 Martin Lätzel

Die Ergebnisse der Umfrage Bildung 2011 finden sich hier:

http://www.bildung2011.de/download/Ergebnisse-der-Online-Buergerbefragung.pdf

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Ein Kommentar zu “Bildung 2011

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